Gehörlosengeschichte

 

322 – 300 v Chr. Der Philosophen Aristoteles: „Wer nicht hören und nicht sprechen kann, kann auch nicht denken.“
354 – 429 Der Kirchenvater Augustinus: „Wer nicht hören kann, kann daher auch nicht glauben“.
672 – 735 1. Schriftliche Erwähnung des Fingeralphabets und der Zahlen von 1 – 10.000 Durch den angelsächsischen Mönch Beda Venerabilis. System aus der Klassik. Einzelne Mönche nehmen sich um Taubstumme an. (Johann v. Hagenstald)
10. Jhd Die Schweigepflicht in Klöstern wurde durch Benediktus im 9. – 10. Jhd. eingeführt und 1636 durch die Trappisten übernommen. Zur Verständigung wurden Gebärden erfunden.
1221 – 1274 Beschreibung des Fingeralphabetes durch den Mönch Bonaventura. Kein Zusammenhang mit Gehörlosen.
1526 – 1586 Erstmals Verbindung von Fingeralphabet und Gehörlosen durch den spanischen Mönch Melchor De Yebra.
1500 – 1584 Pedro Ponce De Leon (Spanien) der erste Gehörlosenlehrer. Er verwendete Gebärden vom Kloster. Im Kloster San Salvador de Ona unterrichtete er gehörlose Kinder von Adeligen: Pedro und Francisco de Velasco. Er bewies, dass Gehörlose lesen, schreiben, denken und reden können. Lehrmethode: Gebärde – Handalphabet – Schreiben
1579 – 1652 Der zweite Gehörlosenlehrer Manuel Ramirez de Carrion unterrichtete gehörlose Kinder. Er begann bei dem Fürst Markies Priegeo El Mude (der Stumme). Er schrieb 1629 ein Buch, ohne seine Methode zu verraten, die er als Geheimnis betrachtete.
1579 – 1633 Juan Martin Pablo Bonet. Er schreibt vor 1620 ein Buch über den Gehörlosenunterricht von de Carrion. Das erstemal das heutige – Ein Hand Alfabeth beschrieben und aufgezeichnet. Auch Hans Werner schreibt ein Buch über de Carrions Ideen: „Geschichte des Taubstummenproblemes bis ins 17. Jhd.“
1669 – 1749 Etienne de Fay. Er war von Geburt an gehörlos. Wir wissen nichts über seine familiäre Herkunft, nur dass er aufgrund seiner Behinderung im Alter von fünf Jahren in die Obhut der von Prämonstratensermönchen geführten Abtei von Saint Jean d’Amiens gegeben wurde.
Er erhielt eine gute Grundlagenbildung. Wie und von wem wissen wir nicht.
Sein ganzes Leben verbrachte er als Kostgänger der Abtei und trug mit seinen Talenten zum Leben der Brüder bei. Er wirkte als Architekt, Bildhauer, Bibliothekar, Prokurator (25 Jahre lang) und als Lehrer von gehörlosen Kindern.
1712 – 1789 Abbé de l’Epée (Frankreich)
1760 Erster Kontakt mit Gehörlosen, Er gründet eine Schule in Paris.
1776 Erstes Buch über Gebärde und Handalphabet
Lehrer aus ganz Europa werden von Ihm ausgebildet.
1740 – 1777 Claude-André Deseine, gehörloser Bildhauer in Paris
1742 – ? Pierre Desloges. Gehörloser Buchbinder und Schriftsteller. Er schrieb 1779 das einzige Buch dieses Jahrhunderts, das ausschließlich von einem Gehörlosen verfasst wurde. In diesem Buch beschreibt er zum Beispiel, dass Abbé de l’Ebée keineswegs die Gebärdensprache erfunden, sondern sie von den Gehörlosen erlernt hatte.
1769 Gründung der Gehörlosenschule Ebbendorf bei Hamburg durch Samuel Heinicke (1727-1790)
1770?-1836 Roberto Francisco Prádez, erster gehörloser Gehörlosenlehrer Spaniens und Schlüsselfigur der Gehörlosenpädagogik des 19. Jahrhunderts.
1775 Heinicke meint das Prinzip der Lautsprachenmethode gefunden zu haben
1778 Gründung der Gehörlosenschule Leipzig (durch Heinicke)
1779 Gründung der Gehörlosenschule Wien (Friedrich Stork)
1789 – 1869 Laurent Clerc und Thomas Gallaudet. Beginn der Gehörlosenbildung in den USA
17. Jhd England: Streit zwischen John Wallis (Gesten, Fingeralphabet) und William Holden (Lautsprache) in Sachen Ausbildung von Gehörlosen.
1812 Gründung der Gehörlosenschule Linz
1830 Gründung der Gehörlosenschule Mils (Tirol)
1831 Gründung der Gehörlosenschule Graz
1834 Erstes Gehörlosenbankett
Beginn der Gehörlosenbankette in Paris – Beginn der Gehörlosenbewegung in Europa „Es war das Jahr, in dem die Taubstummen eine Art Selbstbestimmung für sich begründeten, die bis heute andauert.“ (Bernard Mottez, Paris)
1846 Das bürgerliche Gesetzbuch (K.u.K.) weist einen eigenen Paragraphen über die Besachwalterung von Taubstummen auf. (Bürgerl. Gesetzbuch /1846 k.u.k. S 400)
1861 – 1918 Facis Maginn, gehörloser Gründer des Britischen Gehörlosenbundes, Gehörlosenlehrer Eines seiner Hauptziele: Einführung des staatlichen Erziehungswesens für Gehörlose und die Bildung einer nationalen Organisation, die sich für die Belange der gehörlosen Bevölkerung einsetzen sollte.
1880 Mailänder Kongress
Nachdem in den deutschsprachigen Ländern nach und nach die Gebärden abgelehnt wurden, wurde 1880 in Mailand bei einem Konkress der „Taubstummenlehrer“ die Gebärde für ganz Europa verboten.
1898 Gründung der Gehörlosenschule Salzburg
1899 Gründung des Gehörlosenvereines in Salzburg als „Salzburger Taubstummenverein“
1899 – 1975 Ruth Schaumann, gehörlose Künstlerin in Deutschland: Bildhauerin, Malerin, Holzschneiderin, Schriftstellerin
1913 Gründung des Österreichischen Gehörlosenbundes durch Vereine Gehörloser aus ganz Österreich.
1932 Suzanne Lavaud (gehörlos geboren) erhält in Paris die Doktorwürde in den Geisteswissenschaften
1938 – 1945 2. Weltkrieg
Gehörlose müssen sterilisiert werden. Gehörlosen Müttern wurden die Kinder nach der Geburt abgenommen und ermordet. Es wurde davon ausgegangen, dass Gehörlosigkeit als Erbkrankheit ausgerottet werden kann.
1942 146 gehörlose Jüdische Mitbürger werden verschleppt und ermordet. (Alte Gedenktafel der Israelitischen Taubstummen-Anstalt Berlin-Weißensee 1873 bis 1942 http://www.judentum.net/deutschland/taubstummenanstalt.htm)
nur ein kleines Beispiel für die Vernichtung Gehörloser in dieser Zeit.
1951 Gründung des Weltverbandes der Gehörlosen: World Federation of the Deaf.
1960 Gründung des Verbandes der Gehörlosenvereine im Lande Salzburg als Dachorganisation für 5 angeschlossene Gehörlosenvereine des Landes
1965 William Stoeke, amerikanischer Sprachforscher, stellt fest, dass Gebärdensprache eine eigene Sprache ist.
1989 Das europäische Parlament erkennt die nationalen Zeichensprachen offiziell an.
1992 Forderungskatalog der Salzburger Gehörlosen, der auch die Anerkennung und die praktische Durchführung in Salzburg fordert.
1992 Resolution der österr. Sprachwissenschaftler, die zu einer parlamentarischen Debatte führte. Diese Debatte und die anschließenden parlamentarischen Untersuchungsausschüsse führten zu keinem positiven Ergebnis, da die Vertreter der Gehörlosen kaum zu Wort kamen.
1994 Ergebnis der Parlamentsdebatte, Stellungnahme des Bundeskanzleramtes: Gebärdensprache könne als Minderheitssprache nicht anerkannt werden.
1997 Antrag und Beschlüsse des Salzburger Landtages zur Anerkennung der Österr. Gebärdensprache und Rechte für Gehörlose
1997 Abgabe der Unterschriftenlisten zur Anerkennung der Österreichischen Gebärdensprache in Österreich und mehr Untertitel und Gebärdensprachdolmetscher im ORF (jeweils 10.000 Unterschriften).
1997 Ankerkennung der praktischen Belange Gehörloser durch die Salzburger Landesregierung. Mehr finanzielle Mittel für Dolmetscheinsätze und eine Beratungsstelle.
1997 Einstimmige Annahme des Steiermärkischen Landtages eines Antrags zur Verbesserung der Lebenssituation Gehörloser (Gebärdensprache als Sprache anerkannt, Minderheitsrechte der Gehörlosen, Ausbildung der GebärdensprachdolmetscherInnen, Gebärdensprachdolmetschen als Beruf, ORF Sendungen in Gebärdensprache übersetzt)
1998 Gründung des Österreichischen Gebärdensprach – DolmetscherInnen – Verbandes. Einführung einer offiziellen Prüfung für GebärdensprachdolmetscherInnen in Österreich
1999 Das Magistrat Salzburg bezahlt GebärdensprachdolmetscherInnen für Amtswege Gehörloser
2005 Am 6. Juli 2005 beschließt die Österreichische Bundesregierung die Österreichische Gebärdensprache in der Verfassung anzuerkennen.
Der Text:
„(3) Die Österreichische Gebärdensprache ist als eigenständige Sprache anerkannt. Das Nähere bestimmen die Gesetze.“
Mit BGBl. I Nr. 81/2005 wurde diese Anerkennungsbestimmung in Art. 8 Abs. 3 B-VG am 9. August 2005 im Bundesgesetzblatt kundgemacht.
Quellen: Het nederlanse Handalphabeth
Festschrift der Schule Salzburg
Das Zeichen 1991*15
Blick Zurück – Renate Fischer, Harlan Lane
Bild: Betty G. Miller, Ameslan Prohibited, 1972, ink on paper, 20″ x 18″ (Courtesy of Sandi Inches Vasnick)
This drawing of hands with chains on wrists, and fingers chopped off depicting that Ameslan or sign language is prohibited in many schools for the deaf. „Much of my work depicts the Deaf experience expressed in the most appropriate form of communication: visual art. I present both the suppression, and the beauty of Deaf Culture and American Sign Language as I see it; in the past, and in the present. I hope this work, and the understanding that may arise from this visual expression, will help bridge the gap between the Deaf world, and the hearing world.“